Weinjahrgang 2010 – ausser Spesen nichts gewesen?

Bei verschiedenen Weinproben in Wien und München im Herbst 2010 habe ich über 100 Winzer getroffen und sie auf die Ernte 2010 angesprochen. Die Winzer aus Österreich und Deutschland haben nahezu alle ein miserables Jahr für das Wachstum der Trauben erlebt, der Sommer war viel zu nass. Deshalb sind die Erträge – zumindest betreffend Quantität – eher bescheiden ausgefallen. Nimmt man die Quintessenz aller Aussagen, so entspricht die Menge der geernteten Trauben einer Einbusse von ca. 20% bis 40%, in manchen Fällen wurde sogar „die Hälfte“ erwähnt. Das alleine sagt nun aber noch nichts über die Qualität aus, denn eine grobe Faustregel im Weinbau besagt, dass Menge und Qualität gewissermassen zwei Seiten einer Waage entsprechen, also „wenig Menge = mehr Qualität“. Aber ist das auch im regenreichen Jahr 2010 so?

Diese Frage habe ich auch den Winzern gestellt: Wie schätzen Sie die Qualität des Jahrgangs 2010 ein? Manchmal kam als Antwort ein betretenes, fast verlegenes Lächeln. Schon weit häufiger sind die Winzer zweckoptimistisch, dass der Jahrgang 2010 zwar vielleicht nicht der Beste wird, aber sich durchaus sehen lassen kann und die Weine auch mindestens eine durchschnittliche Qualität erreichen. Einige schon bereits probierte Weissweine aus diesem Jahrgang haben diesen Eindruck durchaus bestätigt, auch wenn die Weine erst gerade abgefüllt waren und deshalb ihren späteren Charakter allenfalls erahnen lassen. Es lässt sich insgesamt feststellen, dass die Winzer nach der Weinlese 2010 mehr als sonst gefordert sind, ihre Erfahrung und ihr Können unter Beweis zu stellen, denn in diesem Jahr wird die einfache Formel „wenig Menge = gute Qualität“ nicht ohne weiteres zutreffen.

European Wine Bloggers Conference 2010

EWBCVom 22.-24. Oktober trafen sich ca. 200 Wein-Blogger aus über 30 Ländern in Wien und diskutierten über aktuelle Themen im Bereich online-publishing und/oder über Wein.

Resultate der Konferenz

Selbstredend wurden auch zahlreiche Weine probiert. Die überaus professionell organisierte Veranstaltung (Danke an Gabriella and Ryan Opaz von Catavino und an Robert McIntosh von The Wine Conversation!) wurde nicht zuletzt möglich durch zahlreiche und grosszügige Sponsoren.
Aber was hat die Konferenz gebracht? Suchten die Wein-Blogger mal wieder einen Grund, so richtig zu feiern und in angenehmer Atmosphäre viele gute Weine zu probieren? Wollten die Sponsoren und Winzer einfach nur das Potential von Twitter, Facebook und Co. nutzen und auf diese Art und Weise eine am Ende kostengünstige Werbekampagne durchführen?
Das Sprichwort „ohne Feuer kein Rauch“ gilt auch hier und der Spass kam an diesem Wochenende wirklich nicht zu kurz, aber das ist längst nicht die ganze Wahrheit. Manche workshops und Vorträge setzten sich mit überaus aktuellen Themen wie „ist ein Blog aus juristischer Sicht eine private Meinungsäusserung oder ist der Blogger ein professioneller Verleger mit allen Rechten und Pflichten?“ oder auch „haben die Blogger die moralische Pflicht, den Kampf gegen den Alkoholmissbrauch zu unterstützen?„.
Klar wurde aus meiner Sicht, dass die Wein-Blogger sich alle mit dem Thema Wein mit viel Leidenschaft auseinandersetzen und dass sie dazu beitragen, die Wein-Expertise im Internet aus dem „ivory tower“ herauszuholen – wie es Elin McCoy in ihrem Vortrag nannte – und damit diese Leidenschaft für den Wein einer grösseren Gruppe von Weinliebhabern zugänglich machen. Die Wein-Blogger sind dabei, die Distanz zwischen den „Wein-Gurus“ und jedermann zu verkleinern.

Österreichischer Wein

Ein anderes wichtiges Thema war naturgemäss für eine Konferenz zum Thema Wein-Blogging in Wien der österreichische Wein. Einige wussten schon, dass aus Grünem Veltliner, Blaufränkisch und St. Laurent in Österreich Weine hergestellt werden, die nicht nur gut schmecken, sondern die Konkurrenz mit Burgund, Bordeaux, Chianti und vielen anderen Weinregionen nicht zu scheuen brauchen. Es gibt in Österreich viel zu entdecken und wer einen guten Grünen Veltliner oder einen ausgewogenen „Blaufränkisch“ sucht, der kann unter den zahlreichen und vielen größeren und vor allem auch kleineren Winzern in Österreich fündig werden und wird nicht enttäuscht sein! Einige Links hier unten sollen Euch helfen, wenn Ihr Österreichische Weine entdecken wollt (Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit).